Genug Holz vor der Hütte?

„Das Holz wird knapp, stoppt die Exporte“ so hörte man allenthalben von Handwerkern und Verbänden. Doch sind die Exporte wirklich der Grund für die Holzknappheit? Nie zuvor wurde in Deutschland soviel Holz aus dem Wald geholt wie 2020. Über 80 Millionen EFM (Erntefestmeter) das ist gegenüber 2019 eine Steigerung von fast 20%. Es ist also ausreichend Holz in den Wäldern vorhanden, genug „Holz vor der Hütte“. Deutschlandweit sind ca. 30% der Fläche bewaldet, in Sachen sind es ca. 28%.

Holzeinschlag: Deutschland, Jahre, Holzartengruppen

Holzeinschlag: Deutschland, Jahre, Holzartengruppen

Spline chart. Data table with 6 rows and 7 columns follows.

Holzeinschlag: Deutschland, Jahre, Holzartengruppen
2015 2016 2017 2018 2019 2020
Eiche und Roteiche 2,079 2,135 1,947.7 2,031.5 1,740.2 1,362.2
Buche und sonstiges Laubholz 11,484.1 11,006.7 10,648.6 10,995.9 9,976.8 8,847.8
Kiefer und Lärche 12,564 12,574.2 12,016.5 12,100.1 9,321.4 8,044.2
Fichte, Tanne, Douglasie und sonstiges Nadelholz 29,485.6 26,477.6 28,877.9 39,422.7 47,834.1 62,166.9
Insgesamt 55,612.7 52,193.5 53,490.7 64,550.3 68,872.4 80,420.4

Ein großes Problem ist jedoch, das Verhältnis von Nutzholz, planmäßig geerntet in bester Qualität, zu Schadholz, also Holz welches durch Schädlinge, Windbruch und Trockenheit in Mitleidenschaft gezogen wurde und, zur Vermeidung von Folgeschäden, dringend aus dem Wald geholt werden muss. Schadholz wird zu einem bedeutend geringeren Preis gehandelt und ist für Nutzungen bei denen eine sichtbare Verwendung des Holzes gewünscht ist nicht geeignet. 

Schadinsekten und Trockenheit

Wie dramatisch sich die Lage seit 2016 zugespitzt hat wird im folgenden Diagramm deutlich.

Verhältnis Schadholz/Nutzholz Gesamteinschlag

Verhältnis Schadholz/Nutzholz Gesamteinschlag

Line chart. Data table with 5 rows and 7 columns follows.

Verhältnis Schadholz/Nutzholz Gesamteinschlag
2015 2016 2017 2018 2019 2020
Insgesamt 55,612.7 52,193.5 53,490.7 64,550.3 68,872.4 80,420.4
Schadholz 12,900 7,800 12,300 31,933.7 46,241.3 60,127.4
Durch Insekten 3,300 4,700 6,000 11,324 31,702.4 43,295.3
Nutzholz 42,712.7 44,393.5 41,190.7 32,616.6 22,631.1 20,293

Da holz ohne korrekte Verwendung nicht haltbar ist, muss es entsprechend gelagert oder zeitnah verarbeitet werden. Lagermöglichkeiten wie z.B. Nassholzlager sind nicht bzw. nur in kleinerem Massstab vorhanden. Um die Mehrmengen schnell zu verarbeiten fehlen die Kapazitäten. Verschärfend kommt hinzu, dass der Holzbau in Deutschland ein Volumenanstieg von ca. 25% zu verzeichnen hatte. Die Corona bedingte „Freizeit“ der 35 Millionen Gartenbesitzer in Deutschland tat ihr Übriges zur Überlastung des Marktes bei. 10 Millionen Gartenbesitzer mit je 10m² Terrassendielen sind ca. 2.8 Millionen m³ Schnittholz.

Exporte sind nicht die Ursache

Summe Deutschland Import/Export ausgewählte Ländern

Summe Deutschland Import/Export ausgewählte Ländern

Line chart. Data table with 8 rows and 7 columns follows.

Summe Deutschland Import/Export ausgewählte Ländern
2015 2016 2017 2018 2019 2020
BEL 231 343 378 511 1,029 1,131
FIN -224 -237 -266 -339 -239 -165
FRA -54 20 128 164 225 242
SWE -513 -392 -365 -261 -146 -257
USA 32 96 364 491 591 891
CHN 604 643 750 1,060 3,389 5,576
Gesamt 76 474 990 1,628 4,848 7,418

Sicher, die Exporte in die USA und besonders nach China stiegen stark an. Dabei handelte es sich jedoch überwiegend um Rohholz. In der Gegenüberstellung zum gesamten Holzertrag sind das doch eher geringe Mengen und können für die Preissteigerungen nicht allein verantwortlich sein.

Gegenüberstellung Gesanteischlag und Export/Import Rohholz/Schnittholz

Gegenüberstellung Gesanteischlag und Export/Import Rohholz/Schnittholz

Line chart. Data table with 5 rows and 7 columns follows.

Gegenüberstellung Gesanteischlag und Export/Import Rohholz/Schnittholz
2015 2016 2017 2018 2019 2020
Holzeinschlag DE Gesamt LUTRO 46,344 43,495 44,576 53,792 57,394 67,017
Differenz Imp/Exp DE Gesamt -1,918 -1,411 -820 290 4,432 8,317
Davon Rohholz -154 17 139 619 3,364 5,614
Davon Schnittholz 230 456 850 1,009 1,484 1,805

Die Großen Sägewerke gehören global agierenden Konzernen und richten Ihre Preise natürlich nach Angebot und Nachfrage auf dem Weltmarkt aus. Bei den Forstbetrieben kommt davon kaum etwas an. In Sachsen gibt es fast keine Mittelständischen- oder Kleinunternehmen in der Sägeindustrie mehr. Jahrelang wurden sie, auch von den Handwerksbetrieben, sträflich vernachlässigt. Eine „Just in Time“ Lieferkette kann von Ihnen nicht gewärleistet werden. Holz muss geerntet, eingeschnitten, getrocknet und weiterverarbeitet werden, das braucht Zeit. Vielleicht ist jetzt der Moment dieses auch den Kunden zu vermitteln und regionale Kooperationen aufzubauen.

(Alle in den Diagrammen dargestellte Werte – Quelle: destatis.de)

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